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GLOSSAR
DISKRETE WIRKSAMKEIT
Begriffe, Konzepte und Ordnungslogiken im KI-Zeitalter
Die Diskrete Wirksamkeit operiert in einem Feld, das eine präzise Sprache erfordert: dort, wo formale Strukturen an Grenzen stoßen, informelle Ordnungen emergieren und hybride Entscheidungsräume durch KI neue Dynamiken erhalten. Dieses Glossar stellt die zentralen Begriffe bereit, die das theoretische Fundament des Frameworks definieren – klar, zugänglich und wissenschaftlich konsistent.
Die Auswahl der Begriffe folgt nicht der Vollständigkeit, sondern der Relevanz. Jeder Eintrag bildet eine operative Kategorie, die im Zusammenspiel von Governance, Organisation und technologischer Transformation eine spezifische Funktion übernimmt. Die Definitionen sind bewusst prägnant gehalten: Sie sollen Orientierung bieten, ohne die analytische Schärfe zu verlieren, die das Framework auszeichnet.
Die alphabetische Struktur ermöglicht einen schnellen Zugriff, während die inhaltliche Präzision den Anschluss an komplexere theoretische Diskurse sichert. So entsteht ein Werkzeug, das sowohl für die wissenschaftliche Auseinandersetzung als auch für die praktische Anwendung in Organisationen nutzbar ist – im Sinne der Grundhaltung des Frameworks: klare Begriffe als Voraussetzung klarer Strukturen.
a
Ambiguitätskompetenz
Die strukturelle Fähigkeit einer Organisation, produktiv mit Unschärfe, Mehrdeutigkeit und konkurrierenden Rationalitäten umzugehen.
Architektur der Ruhe
Die Gesamtheit struktureller Bedingungen, die Führungshandeln stabilisiert und Entscheidungskorridore ohne operative Überhitzung ermöglicht.
b
Beobachtungsrahmen
Der systemische Horizont, aus dem heraus Organisationen Sinn generieren und operative Relevanz definieren.
Boundary Work
Arbeit an den Grenzen von Zuständigkeiten, Rollen und Entscheidungsräumen – sichtbar oder unsichtbar – zur Stabilisierung organisationaler Ordnung.
d
Diskrete Wirksamkeit
Wirksamkeit ohne Bühne: Einfluss, der nicht auf Sichtbarkeit, sondern auf strukturelle Präzision, zeitliche Platzierung und informelle Autorität basiert.
Doppelstruktur der Verantwortung
Spannungsfeld von formaler Zuständigkeit und tatsächlicher Verantwortungsfähigkeit – besonders relevant in KI-gestützten Entscheidungsräumen.
e
Entscheidungsarchitekturen
Gestalt und Logik von Prozessen, die bestimmen, wie Organisationen Entscheidungen generieren, legitimieren und operationalisieren.
Exekutive Ambiguität
Zustand, in dem operative Einheiten handeln müssen, obwohl relevante Informationen unvollständig, konfligierend oder instabil sind.
f
Führung im Zwischenraum
Führungshandeln, das nicht an formalen Rollen, sondern an Übergängen, Schnittstellen und impliziten Erwartungen wirksam wird.
Formale Ordnung
Regeln, Mandate, Verfahren und Verantwortlichkeiten, die eine Organisation explizit festlegt.
Framework Diskrete Wirksamkeit
Theoretischer Bezugsrahmen zur Analyse und Gestaltung wirksamer Strukturen unter Bedingungen von KI, Unsicherheit und organisationaler Komplexität.
g
Governance-Kohärenz
Grad der Übereinstimmung von Regeln, Prozessen und Verantwortlichkeiten innerhalb einer Organisation.
h
Hybride Entscheidungsräume
Entscheidungsumgebungen, in denen menschliche Urteilsfähigkeit und algorithmische Prozesse gemeinsam wirken.
i
Informelle Autorität
Wirksamkeit jenseits des Mandats – basierend auf Vertrauen, Erfahrung, Resonanz und organisationaler Reputation.
Interne Öffentlichkeit
Kommunikative Räume, in denen organisationale Erwartungen, Konflikte und Prioritäten verhandelt werden – formell oder informell.
k
KI-Governance
Strukturelle, normative und operative Regeln für den verantwortlichen Einsatz von KI in Organisationen.
Komplexitätsresilienz
Fähigkeit einer Organisation, Stabilität und Handlungsfähigkeit unter Bedingungen hoher Unsicherheit zu erhalten.
l
Latenzräume
Unsichtbare Bereiche organisationaler Dynamik, in denen Entscheidungen vorbereitet, Erwartungen gebildet und Machtverschiebungen sichtbar werden.
Loyalität als Organisationskraft
Loyalität nicht als Bindung, sondern als strukturelle Ressource, die Handlungsfähigkeit, Vertrauen und funktionale Stabilität erzeugt.
M
Mandatsklarheit
Eindeutige Bestimmung dessen, wer wofür verantwortlich ist – Grundlage jeder wirksamen Governance-Struktur.
Mikroarchitekturen
Feinstrukturen organisationaler Abläufe, die das tatsächliche Funktionieren von Prozessen bestimmen.
o
Operative Entkopplung
Zustand, in dem Strukturen formal bestehen, aber faktisch nicht mehr handlungsleitend wirken.
Organisationale Gedächtnisse
Systeme, Routinen und kulturelle Muster, die Erfahrung speichern und zukünftiges Handeln prägen.
p
Prozessuale Intelligenz
Fähigkeit eines Systems, aus seinen eigenen Abläufen zu lernen und sich nachhaltig anzupassen.
r
Resonanzräume
Bereiche, in denen Ideen, Entscheidungen oder Impulse auf organisationale Anschlussfähigkeit treffen.
s
Strukturelle Präzision
Gestaltung von Strukturen, die Überlast, Mehrdeutigkeit und Reibungsverluste minimiert, ohne funktionale Offenheit zu verlieren.
Systemische Ruhe
Stabiler Zustand, in dem Organisationen über ausreichend Klarheit, Kapazität und Kohärenz verfügen, um sinnvoll handlungsfähig zu bleiben.
t
Taktgefühl als Führungsinstrument
Die Fähigkeit, Entscheidungen und Interventionen im richtigen Moment und in der richtigen Dosierung zu platzieren.
Transparenzparadoxon
Der Effekt, dass zu viel Sichtbarkeit interne Dynamiken nicht klärt, sondern destabilisiert.
v
Verantwortungsfähigkeit
Die strukturelle Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen, Folgen zu tragen und Prozesse zu gestalten – unabhängig von formalen Positionen.
Verdeckte Entscheidungsketten
Informelle Wege, über die Entscheidungen faktisch vorbereitet oder getroffen werden.
w
Wirksamkeit ohne Sichtbarkeit
Zentraler Grundsatz des Frameworks: Einfluss entsteht nicht durch Präsenz, sondern durch Strukturklarheit und präzise Intervention.