Introduction

The Organisation in the In-Between: Governance under Conditions of Artificial Intelligence

Organisationen operieren zunehmend in einem Zustand struktureller Ambivalenz.
Sie sind weder vollständig regelbasiert noch rein datengetrieben. Entscheidungen entstehen nicht mehr eindeutig aus Hierarchien, sondern aus hybriden Konstellationen menschlichen Urteils, algorithmischer Empfehlung und institutioneller Erwartung.


Dieser Zustand ist kein Übergang im temporären Sinne.
Er markiert eine neue Normalität organisationaler Ordnung.


Die klassische Governance-Logik – Strategie formulieren, Regeln setzen, Compliance überwachen – stößt unter diesen Bedingungen an ihre Grenzen. Nicht, weil sie falsch wäre, sondern weil sie von stabilen Entscheidungsprämissen ausgeht. Künstliche Intelligenz destabilisiert jedoch genau diese Prämissen: Sie verschiebt Relevanzen, beschleunigt Rückkopplungen und externalisiert Entscheidungsanteile in Systeme, deren Logik sich nur begrenzt normativ fassen lässt.


Organisationen befinden sich damit in einem Zwischenraum:
zwischen Verantwortung und Verantwortungsdiffusion,
zwischen formaler Regel und faktischer Praxis,
zwischen Kontrolle und emergentem Systemverhalten.


Die diesem Projekt zugrunde liegenden Kampagnen untersuchen diesen Zwischenraum nicht aus einer technologischen, sondern aus einer organisations- und governance-theoretischen Perspektive. Sie fragen nicht, was Künstliche Intelligenz leisten kann, sondern was sie mit Organisationen macht – strukturell, normativ, institutionell.


Bewusst wird auf einfache Antworten verzichtet. Stattdessen werden Spannungen sichtbar gemacht:
Regeln, die Orientierung versprechen und zugleich operative Unsicherheit erzeugen.
Institutionen, die formal stabil erscheinen, faktisch jedoch kein klares Zentrum mehr besitzen.
Governance-Modelle, die Kontrolle suggerieren, während Entscheidungen längst anderswo fallen.


Begleitet werden diese Untersuchungen von den Visual Structures. Diese Bildräume sind keine Illustrationen, sondern strukturelle Resonanzen. Architektonische Konstellationen ohne Akteure verweisen auf eine zentrale Einsicht: Organisation wirkt nicht primär durch Personen, sondern durch Anordnung – durch Übergänge, Verdichtungen und Ausschlüsse.


In ihrer Gesamtheit bilden Texte, Kampagnen und Visual Structures ein Framework diskreter Wirksamkeit. Dieses Framework ist kein Modell zur Implementierung, sondern ein Denkrahmen zur Beobachtung. Es richtet sich an Führungskräfte, Entscheidungsträger und institutionell Verantwortliche, die erkannt haben, dass organisationale Wirksamkeit im KI-Zeitalter weniger von Geschwindigkeit als von struktureller Kohärenz abhängt.


Diese Introduction ist daher keine Einführung im didaktischen Sinne.
Sie markiert einen Perspektivwechsel.


Organisation erscheint hier nicht als Problem, das gelöst werden muss, sondern als Ordnung, die gelesen werden will.
Governance nicht als Regelproduktion, sondern als Gestaltungsaufgabe unter Bedingungen irreversibler technologischer Veränderung.
Und Wirksamkeit nicht als sichtbares Ergebnis, sondern als leise, nachhaltige Stabilität organisationalen Handelns.